SINNESBEREICH

„Nichts ist im Verstand, was nicht zuvor in den Sinnen war.“

(Maria Montessori)

 

Dem Besucher im Weltkinderhaus werden vor allem die vielfältigen Sinnesmaterialien ins Auge fallen, die auch ein magischer Anziehungspunkt für unsere Kleinen sind. Das dennoch schlicht gehaltene Material sticht nicht durch seine farbliche Attraktivität hervor, sondern eher durch seine Funktion: Es ist leicht für Kinder zu handhaben, bringt Spannung und ein selbst kontrollierbares Ergebnis mit sich. Übersichtlich angeordnet in zum Teil eigens für sie konstruierten Regalen, bietet es auf besondere Weise dem Kind einen „Schlüssel zur Welt“.

Diese ersten sinnlichen Erfahrungen die Kinder machen, fördern die weitere geistige Entwicklung des Menschen. Für Maria Montessori sind sie (auch) Entwicklungsmaterialien:

„Das Greifen führt zum Be-greifen!“

 

Kinder lieben es, Gegenstände zu ordnen. Zu Hause werden Schuhe der Reihe nach aufgestellt, die Besteckschublade wird ausgeräumt, Messer, Gabel und Löffel werden ordentlich ausgebreitet und sortiert, gesammelte Steine werden nach Größe und Farbe getrennt, danach wieder zusammengetragen, denn Kinder möchten immer etwas tun. Sie sind ständig in Bewegung, schulen dabei ihre Sinne hinsichtlich der Formen, Farben, Dimensionen, Tastgefühl, Geruch, Geschmack und Geräusch.

Aus der Fülle der vorhandenen Materialien greifen wir einige heraus, z. B. den Rosa Turm. Zehn Massivholzkuben in schlichtem Rosa lassen sich vom größten zum kleinsten stapeln.
Die eingebaute Fehlerkontrolle durch den kleinsten Kubus gibt dem Kind die Möglichkeit, sich selbst zu kontrollieren.

Der Rosa Turm, die Braune Treppe, die Roten Stangen und die Einsatzzylinder sind Entwicklungsmaterialien zur Unterscheidung von Dimensionen. Die Entwicklung des Farbsinns wird durch die Farbtäfelchen angeregt. Letztlich lernen Kinder Farben zu erkennen und Farbschattierungen zu unterscheiden.

Gleichermaßen wird im Kinderhaus auch beim Üben des Geschmacks- und Geruchssinns verfahren, z. B. Geschmackskrüglein oder Geruchsflaschen. Der Gehörsinn wird ebenfalls auf die gleiche Weise geweckt. Mit Geräuschdosen wird so lange experimentiert, bis Kinder gleiche Geräusche einander zuordnen können.

Mit Hilfe der geometrischen Körper wie Würfel, Kegel, Pyramide, Kugel, Ei, und Ellypsoid wird die Schulung der Formen wahrgenommen. Wortbegriffe wie groß-klein, rauh-glatt, kurz-lang und andere mehr werden geübt, um auch sprachlich nachzukommen. Die Sinnesmaterialien bilden eine indirekte Einführung in das Schreiben, Lesen und Rechnen, erweitern gezielt den Wortschatz, verfeinern die Handgeschicklichkeit und fördern das Hören der Sprache. Die Arbeit mit diesen Materialien fordert eine gewisse Ordnung und kommt fast einem Ritual gleich. Das Material wird von den Kindern aus dem Regal geholt, es wird damit gearbeitet, wieder zurückgebracht und aufgeräumt.

Dieses systematische Arbeiten fördert wiederum den Ordnungssinn, den die Kinder so sehr benötigen. Wir unterstützen damit den „inneren Bauplan des Kindes“ und seine Persönlichkeit.