WORTSTUDIO

„Die Sprache verursacht jene Veränderung der Welt, die wir als Zivilisation bezeichnen. Das Instrument, das ein gegenseitiges Verstehen ermöglicht, ist die Sprache – Mittel gemeinsamen Denkens."
(Maria Montessori 1972, S. 100)

Wenn Kinder mit etwa drei Jahren in eine Montessori-Umgebung kommen, sind sie noch mitten in der Phase des Spracherwerbs. Sie haben einen großen Worthunger und sie wollen ihren Wortschatz vergrößern. Sie haben von Natur aus das Bedürfnis, das Schreiben und Lesen zu erlernen.

Die Spracherziehung, wie auch die Bildung des mathematischen Geistes, sind für sie deshalb nicht erst Sache der Schule, sondern sollten bereits am ersten Tag im Kinderhaus beginnen. Heute wissen wir, dass die sensible Phase für Sprache schon sehr früh beginnt. Im Kinderhausalltag ist es deshalb wichtig, diesem Sprachhunger Rechnung zu tragen, indem viele Geschichten erzählt, Erlebnisse berichtet, Aufträge erteilt und besprochen werden. Mit etwa vier Jahren beginnen viele Kinder, sich für die Schrift zu interessieren. In unserem Wortstudio finden sie ihre vorbereitete Umgebung, in der Schrift und Sprache eine selbstverständliche Rolle spielen. Auf das offensichtliche Interesse und auf die Frage: „Wie heißt dieser Buchstabe?“ reagieren wir mit entsprechenden Montessori-Materialien, die behutsam aufeinander aufbauen.

Geordnet und gekennzeichnet finden unsere Kinder die Sandpapierbuchstaben, das bewegliche Alphabet, Wortkärtchen, Raum-Lage Übungen, Stempelbuchstaben, Bilderbücher, Arbeitsblätter mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad, eine kleine Tafel mit Kreide, Schreibpapier und Stifte in montessorischer Ordnung.

Das Entlanggleiten mit den Fingerkuppen an Sandpapierbuchstaben aktiviert das motorische Gedächtnis, die Benennung vermittelt den Klang, das Auge nimmt die Form auf. Das ist ganzheitliches Lernen, Schritt für Schritt werden die Buchstaben dem Kind verfügbar.

Mit dem beweglichen Alphabet schreibt man erstmals kurze Wörter von Wortkärtchen nach. Nach einiger Zeit wird das Kind selbstständig Laute analysieren, Laut- und Schriftbild einander zuordnen, kurzum in der Lage sein, Worte selbst zusammenzusetzen: es schreibt.

Montessori war es sehr wichtig, dass diese große Lust, die Freude der Kinder, etwas Neues zu können, das bisher nur Erwachsene konnten, wirklich ausgelebt wird. Natürlich bleibt die Rechtschreibung beim Versuch kleine Sätze, zu schreiben, auf der Strecke. Schreiben ist für Kinder ein Kraftakt und gibt ihnen das Gefühl immer selbstständiger zu werden.
Auf die all zu oft gestellte Frage, ob Kinder vor der Schule schon rechnen, schreiben oder lesen dürfen, meint Montessori folgendes: Wenn Kinder es wollen, dann sollen sie es dürfen – und das zeigt sich laut Erfahrung, schon etwa mit fünf Jahren.

Durch die Sprache erhalten sie Zugang zur Welt und entwickeln auch das Interesse, andere Sprachen zu erlernen. Vor den Kindern liegt ein unbegrenztes Gebiet, welches sie entdecken können. Dies gelingt ihnen durch die Schlüssel, die ihnen die fantastische Welt der Sprache anbietet. Unseren Auftrag sehen wir darin, den Sprachbildungsprozess durch ausführliche, genaue und reichhaltige Sprache zu fördern.